Die Modediktatur

Ich bin gegen den Konformismus, gegen die Mode, die jedes Jahr wechselt. Das war früher nicht so. Mode gibt es erst seit etwa hundert Jahren, vorher gab es nur Kleidung.

Wenn die zweite Haut erkrankt oder uniformiert ist oder nicht dem Menschen entspricht, dem Menschen nicht paßt, dann wird der Mensch, das heißt der Organismus, der sich dahinter befindet, ebenfalls krank.

Der Nachahmetrieb von Wertlosem ist bei den Zeitgenossen der jetzigen Zivilisation besonders ausgeprägt. Fertigteilproduktion und Fabrikskonfektion entfernen uns immer weiter von der schöpferischen Gestaltung unserer Kleidung, die nicht nur ein Gebilde ist, das man außen rumträgt.

Jetzt komme ich wieder auf das Diktat der Modepäpste, das Diktat der Modemafia zu sprechen. Die Modemafia ist eigentlich etwas genauso Arges, wenn nicht Ärgeres als die Mafia der modernen Kunst. Die Modemafia sitzt in Paris, in New York, in den Großstädten, auch in Deutschland. Sie sind wirkliche Ausbeuter und sie rechnen und kalkulieren mit der Dummheit der Menschen und ganz besonders mit der Dummheit des Frauengeschlechtes.

Die Männer tragen eine betont gleiche, nivellierte Kleidung. Immer wieder die gleiche graue Hose. Sie ist weder schwarz noch weiß noch grün noch gelb, die Hose ist nicht lila, nicht braun, die Männerhose ist grau.

Also gibt es zweierlei Abhängigkeiten: Die Frauen sind abhängig von der Modemafia, die Männer von einer erschreckenden Nivellierung, die nun schon 100 bis 150 Jahre andauert.

Sowohl die Frauenmode wie auch die Männermode sind total versklavt. Es ist eine Versklavung durch die falsch verstandene Tradition und die Modemafia andererseits.

Dieses Modediktat der Modemafia muß gebrochen werden, das heißt, die Menschen müssen darauf hingewiesen werden, wie dumm sie sind, wenn sie sich blindlings irgendeinem Modediktat beugen. Stupider als ein Haufen hypnotisierter Hühner lassen sie sich alle paar Monate eine neue Mode diktieren, eine absurder als die andere.

Das ist etwas Unglaubliches. Die Kleidung ist etwas Ewiges, genauso wie die Kunst. Die Kleidung muß wieder Kunst werden und muß aufhören, nur Mode zu sein.

1989

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The Dictates of Fashion

I am against conformism, against the fashions which change every year. In the past things were different. Fashion has only existed for about a hundred years; before that there were simply clothes.

When our second skin falls sick or is made into a uniform or does not suit its wearer, the person, in other words the organism beneath it, will similarly fall sick.

The urge to imitate the worthless is particularly pronounced in contemporaries of the present civilisation.

Ready-made goods and off-the peg fashions increasingly discourage us from creatively designing our own clothing, which is more than just something we wear round about us.

Which brings me again to the dictates of the kings of fashion, the dictates of the fashion Mafia. The fashion Mafia is just as evil as the modern art Mafia, if indeed not more so. The fashion Mafiosi are based in Paris, New York, the big cities, Germany. They are true exploiters, reckoning and calculating with the stupidity of people in general and the female sex in particular.

Men wear emphatically identical, levelling clothing. Always the same grey trousers. They are neither black nor white nor green nor yellow, nor are their trousers pink or brown; men’s trousers are grey.

There are thus two forms of dependency: women are dependent on the fashion Mafia, men on a horrifying levelling of individuality which has been going on for the past 100 to 150 years.

Both women’s and men’s fashions are totally enslaved. A slavery imposed by a falsely-understood tradition on the one hand and the fashion media on the other. The fashion dictates of the fashion media must be broken, which means that people must be shown how stupid they are when they blindly obey the latest dictate of fashion. More stupid than a flock of hypnotised hens, they allow themselves to be dictated a new fashion every few months, each more absurd than the last.

It is a phenomenon which is quite unbelievable. Clothing is something eternal, just like art. Clothing must once again become art and must cease merely to be fashion.

1989


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